© 2018 Rebecca Kette (geb. Rudolph)

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Zahnwechsel beim Hund? - Beschäftigungs-Ideen wenn die Zähne drücken.

Wenn ein Welpe bei uns einzieht kommt ein Thema immer wieder auf - Zahnwechsel. Um zu Beginn sich einfach mal zu verbildlichen was da bei unseren Hunden passiert und warum sie so ein großes Bedürfnis haben an allem zu kauen was ihnen zwischen die Zähnchen kommt, beginnen wir hier mit ein paar Fakten.

Die ersten Zähnchen beim Hund, also das Milchgebiss beginnen zwischen der 3.-6. Lebenswoche zu wachsen. Insgesamt brechen in dieser Zeit 28 Milchzähne durch, die sich nach und nach entwickeln. Schon bereits ab der 16. Woche, also dem 4. Lebensmonat beginnen die Milchzähne wieder auszufallen und das bleibende Gebiss mit sage und schreibe 42 Zähnen bildet sich aus. Das sind im Übrigen 10 Zähne mehr als beim menschlichen Gebiss. Unsere Hunde haben also gerade mal ungefähr 8-10 Wochen 'Ruhe' in ihrem Gebiss, bevor der Zahnwechsel beginnt.


Im Vergleich zum Menschen ist das also ziemlich schnell. Das wäre in etwa so, als würde uns bereits im Kleinkind Alter, unmittelbar nachdem unsere Milchzähne gewachsen sind, diese wieder ausfallen und sofort neue Zähne wachsen. Wenn wir uns alle mal daran erinnern wie es war als uns selbst die Zähne ausgefallen sind oder wie sehr zahnende Babys schreien, ist es ziemlich bemerkenswert wie gut unsere Hunde diesen schnellen Wechsel vom Milchgebiss auf das adulte Gebiss wegstecken. Und so ganz nebenbei finden sie sich in dieser Zeit auch noch in ihr neues Zuhause ein, lernen ihre neue Familie und ihre Umwelt kennen. Ganz schön viel Programm für so ein kleines Wesen, das noch nicht mal ein halbes Jahr auf unserer Welt ist, oder nicht?


Wenn unser Welpe nun an etwas kaut, wirkt sich dies vor allem entspannend auf seinen Kiefer aus und unterstützt auch den Zahnwechsel. Quasi fast so, wie wir als Kind ständig an unseren wackelnden Zähnen herumgespielt haben.


An etwas zu kauen ist also ein ganz natürliches Bedürfnis, was wir unserem Welpen in keinem Falle nehmen dürfen und welches wir in jedem Falle unterstützen müssen. Die Bedürfnisse unserer Hunde wahrzunehmen und sie zu erfüllen ist nicht nur respektvoll, sondern tragen auch immens zum Aufbau und Erhalt unserer natürlichen Mensch-Hund Bindung bei. Wenn ich meinem zahnendem Hund in diesem Falle also immer die Möglichkeit gebe an etwas zu Kauen, ihm ermögliche auch mal sein Zahnfleisch zu kühlen und zu beruhigen, festigt sich vor allem auch unsere Bindung, wenn der Hund merkt, dass wir seine Bedürfnisse wahr nehmen und sie respektieren.

Kontraproduktiv ist in diesem Fall also, wenn ich meinem zahnenden Welpen verbiete an Dingen zu kauen. Natürlich ist es ärgerlich, wenn er meine Holzmöbel annagt oder sämtliche Dinge in meiner Wohnung kaputt beißt. Er macht es aber weder mit Absicht noch mutwillig sondern hauptsächlich um ein Bedürfnis zu befriedigen. Was im Übrigen nicht heißt, dass so etwas nicht auch Spaß machen kann. - Klar macht das Spaß die Wolle aus dem Sofa zu nehmen, wenn man sich mal durch die angenehme Hülle gefressen hat...

Wenn ich nicht will, dass mein Welpe teure oder nicht ersetzbare Dinge anbeißt, komme ich im positiven Training gar nicht drum herum ein gewisses Management zu betreiben. Dinge die mir lieb sind und nicht angeknabbert werden sollen, lasse ich nicht mit dem Hund alleine, wenn ich mal nicht zuhause bin. Sofabeine, Couchtische usw. kann man zB. auch mit Pappkarton einkleiden, zur Seite rücken oder mit einem dickeren Laken abdecken. Werdet kreativ - es ist letztendlich nur für eine kurze Zeit.


Die zweite wichtige Grundlage ist, eurem Hunden immer Möglichkeiten anzubieten, woran er nach Lust und Laune kauen darf. Ganz wichtig dabei sind auch unterschiedliche Materialien und Abwechslung.



Befüll bare Spielzeuge - es gibt von unterschiedlichen Herstellern Spielzeuge bei denen man die Möglichkeit hat diese mit etwas essbarem zu befüllen.

Befüllt diese doch mal mit etwas, was sich einfrieren lässt, so hat der Hund gleichzeitig die Möglichkeit seine Mundhöhle auch etwas zu kühlen. Wichtig ist, dass ihr bei der Auswahl der Spielzeuge darauf achtet, dass dieses robust ist und sich keine Teile davon ablösen können.


Kauwurzeln & Kaffeholzstäbe - Kauwurzeln sind aus einem Holz welches nicht splittert und extrem hart ist.

Wenn der Hund diese nicht annimmt, könnt ihr diese eurem Hund schmackhaft machen, indem ihr diese auch mal mit Leberwurst oder Lachsöl einschmiert.


Eiswürfel oder Hundeeis - Wenn das Zahnfleisch vom Zahnwechsel gereizt ist, tut eine Abkühlung richtig gut.

Hierfür könnt ihr euren Hunden Eiswürfel oder auch selbstgemachtes 'Hundeeis' anbieten. Damit diese nicht im ganzen heruntergeschluckt werden, könnt ihr die Eiswürfel mithilfe einer Wassereisform herstellen. Als Stiel könnt ihr auch direkt einen kleinen Kaustick nehmen, sodass der Eiswürfel im Ganzen verzehrt werden kann. Einen beruhigenden Effekt auf das Zahnfleisch hat Kamillentee - ihr könnt also auch Kamillentee-Eiswürfel machen und diese mit etwas Hühnerbrühe noch schmackhafter für eure Hunde gestalten. Ein beliebter Snack ist auch Hundeeis - Hierfür eignet sich z.B. einfach einen Joghurtbecher einzufrieren und es eurem Hund dann zum ausschlecken anzubieten. Ich nehme gerne dafür Ziegenjoghurt und mische ein paar Himbeeren unter.


Kausnacks - bietet euren Hunden regelmäßig unterschiedliche Kausnacks an, vom Kaustick bis hin zum frischen Schulterblatt ist hier alles erlaubt und wird gerne angenommen.

Testet euch durch die Vielfalt und bietet euren Hunden auch Dinge an, die sie wirklich gerne Essen. Wichtig ist hierbei den Hund niemals alleine mit den Kausnacks zu lassen, diese können nämlich auch mal stecken bleiben und/oder am Gaumen festkleben. Ich denke den meisten von euch brauche ich das nicht zu sagen aber auch hier ist es wichtig, dem Hund immer ausreichend frisches Trinkwasser zur Verfügung zu stellen.


Zahnfleisch Massage - Wenn die Zähne ganz doll drücken, kann eine kleine Zahnfleischmassage super wohltuend sein.

Tastet euch langsam mit einem Finger in das Maul eures Hundes vor und massiert mit leichtem Druck das Zahnfleisch. Wenn ihr das von Welpen Alter an übt, hat der Hund auch später weniger Probleme damit sich ins Maul fassen zu lassen, wenn ihr oder euer Tierarzt z.B. mal die Zähne anschauen muss.



Allem in allem ist wie auch oben bereits geschrieben ein hohes Maß an Verständnis entscheidend in dieser Zeit. Je mehr ihr es schafft Verständnis für die Situation eures Welpen zu haben, umso einfacher fällt es auch euch mal über den angenagten Couchtisch hinweg zu blicken und eurer Hund wird es euch in jedem Falle danken, wenn er dafür keinen Ärger bekommt etwas angenagt zu haben.





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