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  • Rebecca

Wie erkenne ich Stress bei meinem Hund?

Aktualisiert: 4. Nov 2019

Was ist Stress überhaupt und was macht es mit meinem Hund?

Im allgemeinem ist Stress ein Zustand, mit dem dein Hund physisch und psychisch auf eine bestimmte Situation reagiert. Stress ist für alle Lebewesen über lebenswichtig und hilft dem Körper auf entsprechende Reize in seiner Umwelt reagieren zu können. In der Evolution der Lebewesen spielt Stress eine große Rolle für die Entwicklung und Anpassung an ihre Umwelt und ist generell ein ganz natürlicher Zustand. In der heutigen Zeit wird Stress aber nicht nur beim Menschen sondern auch beim Hund ein immer bedeutender Faktor der das Wohlbefinden vor allem negativ beeinflussen kann. Um diesem entgegen zu wirken, ist es wichtig, dass wir merken, wann unser Hund gestresst ist und wie wir dem Stress entgegen wirken können. Die wichtigste Grundlage hierfür können wir bereits im Welpenalter legen und deswegen ist es umso wichtiger das unser neues Familienmitglied von Anfang an Ruhe lernt.



Es passiert nicht selten, dass unsere Hunde wenn sie zu uns in ihr neues Zuhause einziehen bereits nach kurzer Zeit an einem extrem hohen Stresspegel leiden und schlichtweg einfach überlastet sind. Der Einzug in ein neues Zuhause, die neue Familie, ein komplett neues Umfeld ist für einen Hund schon aufregend genug und so passiert es oft, dass wir mit eigentlich gut gemeinten Gesten und aufgrund überschwänglicher Freude dazu neigen unsere Hunde ganz schnell zu überfordern. Wir sind so stolz und glücklich über unser neues Familienmitglied, dass wir unseren Hund schlichtweg mit Liebe, Aufmerksamkeit und Beschäftigung überschütten. Wir stellen unserem Hund unsere Freunden und der Familie vor, gehen stundenlang Gassi, treffen andere Hunde und kaufen eine Menge Spielzeug und Beschäftigungsartikel, denn unserem neuen Familienmitglied soll es ja schließlich an nichts mangeln. Das unsere Hunde aber in der Regel mindestens 3 Wochen, aus Erfahrung aber meistens doppelt so lange, brauchen um überhaupt in ihrem neuen Zuhause anzukommen, wissen viele einfach nicht.


Gerade Welpen werden in ihrem neuen Zuhause überall mithin geschleppt, sollen am besten ab sofort zur Welpenstunde, neue Dinge kennen lernen und die Sozialisierungsphase wird oft dazu genutzt den Hund mit allen möglichen Ereignissen zu zuschütten, damit er auch ja alles positiv verknüpft. Dass unser Welpe aber ein Ruhebedürfnis von mindestens 18h, besser sogar 20h am Tag hat, wird gerne mal unter den Tisch gekehrt. Ein erwachsener Hund sollte im übrigen mindestens 16h am Tag ruhen. Ich höre nicht selten die Worte "der Hund braucht das, der ist sonst nicht ausgelastet" oder "wir können stundelang Gassi gehen, der wird nie müde" von frisch gebackenen Hundeeltern.

Ist doch auch kein Wunder! Hunde die nie gelernt haben zur Ruhe zu kommen und sich zu entspannen, können dies auch nicht von heute auf morgen. Das wichtigste was dein Hund also als aller erstes lernen sollte, wenn er bei dir einzieht ist Ruhe zu bewahren und vor allem eins: Schlafen, schlafen, schlafen und nochmal schlafen!



Merke: Welpen sollten gerade mal 5 Minuten Bewegung/Aktivität pro Lebensmonat am Stück bekommen, für einen 12 Wochen alten Welpe bedeutet das also gerade mal 15 Minuten Bewegung am Stück. Ja ich weiß, das haut die meisten aus den Latschen und diese Werte sind letztendlich nur Richtwerte die euch die Tante von der Hundeschule aus dem Lehrbuch vor quatscht aber sich auch nur annähernd an diese Richtwerte zu halten, ist die wohl wichtigste Regel für ein ausgeglichenes Welpenleben. Niemand möchte einen hyperaktiven Hund, der sich selbst mit 5 oder 10 Jahren nicht mal für 2 Stunden von alleine hinlegen kann und einem den ganzen Tag auf Schritt und Tritt folgt. Ein Hund der immer seinen Halter verfolgt und sich nicht entspannen kann weil er jederzeit in der Erwartung ist, dass etwas aufregendes passiert kann schnell mal auf einen Stresspegel kommen, der auch für seine Gesundheit nicht mehr unrelevant ist.



Dein neues Familienmitglied erlebt in den ersten Wochen bis Monaten durchweg neue Dinge und geradezu alles ist Neu für ihn, sodass ihn jedes Ereignis durchaus in Stress versetzen kann. Menschenkontakt, Hundekontakt, neue Gerüche, neues Essen, neue Räume, neue Erlebnisse und zu wenig Schlaf stressen deinen Hund egal ob diese positiv oder negativ von ihm bewertet werden.

Wir müssen unser neues Familienmitglied erst kennen lernen und ihm geht das genauso. Er versucht uns von Anfang an zu verstehen, uns zu Gefallen und gerät schnell in einen Leistungsdruck wenn er das Gefühl bekommt selbst nicht verstanden zu werden.

Natürlich geht es nicht ganz ohne Stress, denn neue Eindrücke und Erfahrungen sind wichtig, aber vor allem auf die Dosierung und den Rahmen in welchem dein Hund neue Erfahrungen machen darf kommt es an. Mit dem richtigen Training und vor allem Geduld kann sich die Stresstoleranz deines Hundes mit der Zeit nachhaltig erhöhen.


Ich empfehle dir für den Anfang, egal ob dein Hund noch ein Welpe oder bereits ein erwachsener Hund ist, dich an folgenden Richtwert zu halten: 1 aufregendes Erlebnis am Tag, welches nicht länger als 1h dauert. Aufregende Erlebnisse können das erkunden einer neuen Gassistrecke, Autofahren, Hundebegegungen, Menschenbegegnungen oder ähnliches sein. Neben diesen Erlebnissen solltest du immer die gleichen Rituale einführen und vor allem lange Ruhephasen einplanen. Durch täglich widerkehrende Ereignisse kannst du deinem neuen Familienmitglied Sicherheit vermitteln. Es empfiehlt sich z.B. am Anfang die Gassizeiten immer auf die selbe Zeit zu legen und auch feste Ruhe & Futterzeiten einzuhalten. Wenn du das Gefühl hast, dass ein Tag besonders stressig war, z.B. der Tag an dem ihr in die Hundeschule geht, solltest du am nächsten Tag auf jeden Fall nichts aufregendes planen und deinem Hund noch mehr Ruhe gönnen.


Deinem Hund wird es anfangs schwer fallen, los zu lassen und sich zu entspannen. Versuche ihn also nicht müde zu spielen oder ihn durch zu viel Bewegung auszuknocken. Dein Hund muss lernen seinen Organismus von alleine runter zu fahren und nicht nur zu schlafen wenn er völlig erschöpft ist. Gib ihm die Möglichkeit eines ruhigen Rückzugortes und lass ihn in den ersten Tagen nur alleine wenn du das Gefühl hast, dass er auch ohne dich wirklich zur Ruhe kommen kann.


Folgende Symptome können auf ein erhöhtes Stressaufkommen bei deinem Hund hindeuten:

  • Pfoten lecken und/oder sich selbst in die Beine beißen

  • In die Rute beißen oder diese jagen

  • Schluckauf

  • Häufiges Kratzen

  • Häufiges Gähnen

  • Starkes Hecheln

  • Rastlosigkeit

  • Zerstören von Gegenständen

  • Durchfall & Erbrechen

  • Appetitlosigkeit

  • Haarausfall

Besonders bei Welpen:

  • völliges überdrehen und wild umherrennen

  • ständiges anspringen

  • wild um sich beißen

  • fiepsen und jaulen


Im Schlaf verarbeiten unsere Hunde genau wie wir ihre erlebten Ereignisse und deswegen ist nicht nur für Welpen Schlaf lebensnotwendig. Zeige deinem neuen Familienmitglied langsam deine Welt und sein neues Leben.

Nach einer richtigen Eingewöhnungsphase kannst du das Aktivitätslevel langsam steigern und mit deinem Hund an einer ausgeglichenen Stresstoleranz arbeiten.

Denke immer daran: Ihr habt noch ein Hundeleben lang Zeit Hand in Pfote durch eure Welt zu gehen, euch läuft nichts davon. Gib deinem Hund also die Eingewöhnungszeit und die Ruhepausen die er braucht und wiederhole diese immer wieder wenn sich in eurem Leben etwas grundlegendes verändert oder ein neuer Stressfaktor dazu kommt.





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© 2018 Rebecca Kette (geb. Rudolph)