© 2018 Rebecca Kette (geb. Rudolph)

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Timing ist alles! Belohne deinen Hund im richtigen Moment.

Im Hundetraining stolpern wir immer wieder über das Thema Belohnen und gerade im positiven Training ist die richtige Belohnung das Herzstück unserer Arbeit mit unserem Hund. Umso wichtiger ist es, hier wieder ein paar Fakten zu kennen bevor wir uns damit auseinander setzen wie und wann wir richtig belohnen können.


Es gibt Forschungen, dass Hunde nur innerhalb von 3 Sekunden eine direkte Verknüpfung zu ihrem Verhalten herstellen können, was nicht heißt, dass sie innerhalb von 3 Sekunden vergessen haben wer sie sind oder was sie getan haben, sondern dass sie in Kombination mit einer Belohnung nur innerhalb dieser 3 Sekunden ihr Verhalten mit der Belohnung in Bezug bringen können. Ein Hund der je nach Reiz Grad der Umgebung immer mit seiner Nase, Ohren und auch den Augen seine Umgebung abscannt nimmt viel mehr wahr als wir uns das vielleicht vorstellen können. Unsere Hunde müssen sich also in der Zusammenarbeit mit uns darauf verlassen, dass wir ihnen immer verständlich erklären was wir von ihnen wollen und was wir an ihrem Verhalten gut oder auch nicht so gut finden, denn nur so können sie lernen ihr Verhalten anzupassen. Nichts ist schlimmer für einen Hund, als missverständliche Kommunikation. Regeln die nicht nachvollziehbar sind und falsches Timing beim Belohnen können dies allerdings zur Folge haben.


Die 2 Sekunden Regel

Ich mache aus der 3 Sekunden Regel in meinem Training generell eine 2 Sekunden Regel. Es gibt im Alltag immer wieder Situationen, die stressiger sind als andere oder in denen die Reizüberflutung für unsere Hunde so hoch ist, dass sie nicht unter normalen Bedingungen lernen können. So ist es doch viel besser, wenn wir selbst lernen einfach noch schneller und besser zu werden und unseren Hunden mit dem richtigen Timing entgegen zu kommen. Also, ab sofort gibt es folgende Regel: Die 2 Sekunden Regel! Innerhalb von 2 Sekunden belohnen wir unseren Hund für das Verhalten, dass wir belohnen wollen.


Damit es aber auch hier nicht zu Kommunikationsproblemen zwischen uns und unserem Hund kommt müssen wir immer vor allem folgende Dinge beachten und uns am besten im Voraus darüber Gedanken machen.


Was will ich belohnen?

Es ist wichtig, sich immer im Voraus zu überlegen -WAS- man belohnen möchte. Will ich meinen Hund dafür belohnen, dass er zu mir gekommen ist oder mir Aufmerksamkeit geschenkt hat, oder will ich ihn dafür belohnen, dass er zu mir gekommen ist und sich dann hingesetzt hat? Wichtig ist also, wenn ich meinen Hund dafür belohnen möchte, dass er zu mir kommt wenn ich ihn rufe, dass ich ihn auch sofort belohne wenn er bei mir ist und nicht noch ein weiteres Kommando wie z.B. 'Sitz' ausspreche und ihn erst dann belohne.

Das ist übrigens einer der beliebtesten Fehler, die mir im Training immer wieder auffallen. Wir Menschen neigen dazu, immer noch ein Kommando hinterher zu schießen und erst dann zu belohnen, missverständlicher für den Hund geht es dann allerdings kaum. Also, achtet darauf, was ihr belohnen wollt und belohnt dann auch genau das!


Der richtige Moment der Belohnung!

Im richtig Moment zu belohnen bedeutet nicht, sich an die 2 Sekunden Regel zu halten, das tun wir ja ab sofort sowieso, sondern den Hund auch wirklich innerhalb der 2 Sekunden zu belohnen, wenn er das gewünschte Verhalten auch wirklich zeigt. Das heißt, wenn ich möchte, dass mein Hund 'Sitz' macht und das belohnen will, muss ich neben dem Timing auch immer darauf achten, ob mein Hund während ich ihn belohnen möchte auch immer noch das gewünschte Verhalten zeigt. Möchte ich den Hund also für ein 'Sitz' belohnen und schaffe ich es auch ihm seine Belohnung innerhalb der 2 Sekunden zu geben, bringt es nichts wenn der Hund währenddessen oder innerhalb der 1. Sekunde wieder aufgestanden ist – Für was habe ich dann nämlich belohnt? Richtig, fürs Aufstehen.

Also, achtet auf den richtigen Moment! Kommt gerade ein anderer Hund um die Ecke und mein Hund ist vor Aufregung gar nicht in der Lage, das gewünschte Kommando richtig auszuführen, brauche ich ihn nicht für ein Sitz zu belohnen, dass er in diesem Moment gar nicht richtig ausführen kann, weil er eh sofort wieder aufsteht.


Vorsicht bei der 'Leckerli-Falle'!

Die 'Leckerli Falle' passiert bei der Arbeit mit Futter oft ganz unbewusst. Wenn ich mit meinem Hund mit Futter im Training arbeite, muss ich darauf achten, dass ich meinen Hund mit dem Rascheln der Leckerli Tüte, dem Futterbeutel oder dem zu früh gezückten Leckerli nicht so aus dem Konzept bringe, dass er davon so abgelenkt ist, dass er das gewünschte Verhalten was ich eigentlich belohnen wollte unterbricht und nur noch auf das Futter fokussiert ist, denn auch dann kann ich weder im richtigen Moment belohnen noch zeigt mein Hund das eigentlich im Training erwünschte Verhalten was ich belohnen möchte. Es ist oft hilfreich, einfach bereits schon mehrere Leckerlis in der Hand oder direkt griffbereit zu haben.


Der Einsatz von Marker Worten!

Ein Marker Wort ist letztendlich ein 'Versprechen', dass unser Hund seine Belohnung für das gewünschte Verhalten bekommt. Durch den richtigen Einsatz eines Marker Worts kann ich somit auch die Zeit zur tatsächlichen Belohnung durch z.B. Futter etwas verlängern.

Wichtig ist allerdings, dass das Marker Wort zuvor richtig aufgebaut wurde. Das heißt, dass der Hund dieses Wort dann auch tatsächlich mit seiner Belohnung in Verbindung bringen kann.

Hier eignet sich ein ganz einfaches Training, in dem ich jedes Mal wenn ich den Hund ab sofort belohne mein Marker Wort z.B. 'Prima' gleichzeitig mit der Leckerli Gabe benutze. Nach ein paar Tagen kann der Abstand zwischen der Leckerli Gabe und dem Marker Wort immer weiter verzögert werden, sodass der Hund lernt, wenn das Wort 'Prima' fällt, heißt das, ich bekomme mein Leckerli trotzdem. Unser Marker-Wort wird somit unsere Einleitung zur Belohnung und muss ab sofort in Stellvertretung zum Leckerli innerhalb der ersten 2 Sekunden fallen. Vor allem beim Rückruftraining oder bei Trainings auf Distanz eignen sich solche Markerworte hervorragend. An dieser Stelle sollte ich vieleicht noch kurz erwähnen, dass es vollkommen egal ist, welches Wort ihr euch hierzu aussucht, es muss eben dann immer nur das selbe sein und natürlich kann es auch mehrere Marker-Worte geben.



Mit Hilfe dieser 4 kleinen Regeln, wird es euch in Zukunft leichter fallen euren Hund im richtigen Zeitpunkt und für ihn verständlich zu belohnen.


Ganz wichtig: Neben dem richtigen Zeitpunkt und der 2 Sekunden Regel dürft und sollt ihr euren Hund trotzdem auch immer wieder belohnen!

Ich finde es wichtig, dass unser Hunde nicht nur für Verhalten das abgefragt, belohnt wird sondern auch immer wieder einfach so. Ich meine nicht, dass wir den Hund belohnen sollen wenn er unerwünschtes Verhalten zeigt, wie z.B. etwas auf der Straße zu fressen was er nicht darf sondern ihm Raum und Zeit geben auch immer wieder ohne Interaktion mit uns das Gefühl zu bekommen das Richtige zu tun. Wir dürfen unsere Hunde einfach auch mal belohnen weil sie da sind, weil wir sie lieben und weil wir glücklich sind sie in unserem Leben zu haben. Eine Belohnung muss nicht immer abhängig vom richtigen Verhalten sein und es darf ganz klar zwischen Trainingssituationen und Nicht-Trainingssituationen unterschieden werden.

Wenn eine Belohnung nicht immer zwingend an ein Verhalten geknüpft ist, ist es für unsere Hunde viel einfacher auch mal ihr eigenes Ding zu machen und nicht das Gefühl zu bekommen, dass ihr ganzes Leben darauf ausgelegt ist, nur das richtige zu tun um eine Belohnung zu bekommen. Das fördert nicht nur ihre Lebensqualität sondern auch unsere Bindung.


… und jetzt viel Spaß beim Üben!

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